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Institut für Aufführungspraxis - Kompetenz seit 1992

Seit 1992 zählt das Institut für Aufführungspraxis (ehemals Institut für Alte Musik) zu den international führenden Kompetenzzentren im Bereich der historischen Interpretationspraxis der Musik vom Mittelalter bis in die Romantik. Im Vordergrund allen Handelns steht der Grundgedanke, der sowohl die Barockzeit, also auch spätere Epochen prägt: Musik ist Emotion und Sprache zugleich. Klarheit und Deutlichkeit stehen in einer Linie mit den Affekten und einer klaren Diktion, Architektur und Rhetorik bilden den äußeren Rahmen für eine Musiksprache, die wenig mit Schematismus und Gleichförmigkeit zu tun hat, sondern aus einer farbenprächtigen und undogmatischen Denkweise heraus genährt wird. Dabei entsteht ein faszinierendes Prisma aus Variation und Differenzierung.

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Diese Hauptgedanken steuern das Hauptfach-Angebot, welches von Bachelor- und Master-Studiengängen bis hin zum sogenannten dritten Zyklus, dem Konzertexamen reicht. Speziell beim vierjährigen Bachelorstudium wird durch das flankierenden Theorieangebot ein Fundament gelegt, welches tiefgreifende Studien ermöglicht und sich dadurch von einem Schnupperkurs deutlich abhebt. Einige Studiengänge sind international einmalig: Neben den gängigen Hauptfachstudien gibt es z.B. einen Master „Ensembleleitung Alte Musik“ oder auch einen Master „Konzertmeister/Primarius“.

Aufgrund der einzigartigen Dozenten-Konstellation in Trossingen wurde ein neues Bachelor-Programm aus der Taufe gehoben, das den Studierenden ermöglicht, sowohl das historische also auch das moderne Instrument gleichzeitig und nahezu paritätisch zu studieren. Ein entsprechender Master-Studiengang ist in Arbeit und soll zeitnah eingerichtet werden. Durch diese vielfältigen Studienangebote zeichnet sich die Hochschule für Musik Trossingen mit ihrem Institut für Aufführungspraxis in besonderem Maße aus.

Eine wichtige Säule des Instituts stellen die regelmäßigen Ensemble- und Orchesterkonzerte dar. Zwei große Alte-Musik-Ensembles gehören der Musikhochschule Trossingen an: Das Ensemble des 17. Jahrhunderts und das Barockorchester. Hier wird experimentiert, ausprobiert, werden neue Ideen entwickelt, andere Ideen vielleicht sogar wieder verworfen - alles mit einem großen Ziel: Die Hörer in einen lebendigen Prozess einzubeziehen und an den Entwicklungen teilhaben zu lassen! Da ein quellenbezogenes Arbeiten bei jedem Künstler, vielleicht sogar jedem Konzert zwangsläufig zu neuen und anderen Ergebnissen führt, ist jede Aufführung einmalig. Diese Vorgehensweise steht somit einem konservatorischen Gedanken diametral entgegen. Und so ist Alte Musik gar nicht alt, sondern entsteht jedesmal aufs Neue! Das ist auch der Grund, warum es keine Berührungsängste mit der modernen Welt gibt: Kooperationen wie mit dem Landeszentrum Musik-Design-Performance sorgen immer wieder für spannende und viel beachtete Projekte. Dabei durchwandern die Mitwirkenden völlig verschiedene Zeitabschnitte: Von Bassano bis Biber, von Bach über Beethoven zu Brahms!

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Korrepetitor Dieter Weitz nimmt Abschied

Seit 1989 wirkt Dieter Weitz als Dozent für Cembalo-Korrepetition an der Musikhochschule Trossingen. Nun ist es Zeit, Abschied zu nehmen: Zum Semesterende geht Dieter Weitz in den wohlverdienten Ruhestand. Dieter Weitz hatte Orgel und Cembalo studiert, zunächst an der Musikhochschule Karlsruhe, später an der Musikhochschule Trossingen bei Prof. Helga Kirwald. 1986/1987 folgte ein Studienaufenthalt bei Ton Koopman in Amsterdam. Nach dem Musiklehrerdiplom schlossen sich 1986 der künstlerische Abschluss im Fach Orgel, dann 1988 der künstlerische Abschluss im Fach Cembalo an. 1990 absolvierte er das Konzertexamen auf dem Cembalo. In Meisterkursen, u.a. bei Bob van Asperen, Harald Vogel und L.F. Tagliavini, vervollständigte Dieter Weitz seine Ausbildung. Zahlreiche Rundfunkproduktionen folgten.

Dieter Weitz verabschiedet sich in den Ruhestand
Barockorchester bei der Aufführung der Johannespassion
Gemeinsam mit dem Chor der Hochschule erarbeitete das Barockorchester die Johannespassion von Johann Sebastian Bach

Barockorchester

Das Barockorchester hat eine zentrale Funktion in der Ausbildung Alte Musik: Dem pädagogischen Leitgedanken folgend, Studierende optimal auf eine spätere Tätigkeit vorzubereiten, liegt neben den solistischen und kammermusikalischen Fähigkeiten der Fokus auf der Orchesterliteratur. Kontinuierlich wird eine professionelle Kompetenz in historischer Aufführungspraxis im Orchester entwickelt. Dafür werden möglichst alle Genres im Wechsel erarbeitet. Das Erlernen der Techniken steht ebenso im Vordergrund wie die Expertise in historisch informierter Aufführungspraxis.
Die Verwirklichung des Ideals eines Gesamtklanges bedeutet eine Gemeinschaftsleistung, die dem Einzelnen mitunter Zurückhaltung, ein hohes Maß an Flexibilitat bei gleichzeitiger Hingabe abverlangt. Die Mischfähigkeit des eigenen Klangs mit anderen Instrumenten und Farben, ein schnelles Reagieren zum Beispiel auf veränderte Akustik oder auch das Mitatmen innerhalb einer Phrase bei der Arbeit mit Solisten werden in den intensiven Arbeitsphasen vermittelt und trainiert. Diese Arbeitsweise befähigt die Studierenden zur späteren eigenverantwortlichen Ensembleleitung und zeichnet das Trossinger Barockorchester aus.

Ensemble des XVII. Jahrhunderts beim Konzert auf dem Dreifaltigkeitsberg
Regelmäßig konzertiert das Ensemble des XVII. Jahrhunderts auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen

Ensemble des XVII. Jahrhunderts

Das Ensemble des 17. Jahrhunderts stellt das Forum für größer besetzte Ensemblewerke mit Sängern und Szene aus der Zeit von ca. 1580 bis ca. 1700 dar. Hier wird in Theorie und Praxis an Madrigal, Canzona, Messe, Masque, Mottete, Consort, Lied, Singspiel, Oratorium und Oper gearbeitet. Die Basis des Ensembles bilden die wöchentlich stattfindenden Studienangebote Consort, Ausgewählte Kapitel der Musik des 17. Jahrhunderts, DiminutionVokalensemble Alte Musik, Generalbass und Improvisation nach historischen Vorbildern. Die dort erlangten Kompetenzen fokussieren sich auf ein bis zwei größere Konzertprogramme pro Semester mit mehreren Konzerten. Freie Bühnenformen des 17. Jahrhunderts wie Masque, Improvisation, Intermedio und Commedia bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Entwicklung neuer Konzert-Formen oder zur Integration anderer  Kunstrichtungen. So finden verschiedene Cross-over-Projekte statt wie das Projekt Silk.Road.Music - Verwandtschaft der Seele.

Das Trossinger Institut für Aufführungspraxis verfügt über eine umfangreiche Instrumentensammlung
Das Trossinger Institut für Aufführungspraxis verfügt über eine umfangreiche Instrumentensammlung

Umfangreiche Instrumenten-Sammlung

Das Institut für Aufführungspraxis hat einen hervorragenden Instrumentenbestand. Darunter befinden sich Glanzstücke wie die Kopie einer Antegnati-Orgel (16. Jahrhundert) sowie die nachgebaute Johann Andreas Silbermann-Orgel von 1752 in der Benediktinerkirche im nahegelegenen Villingen. Zahlreiche Cembali nach französischen, flämischen, deutschen und italienischen Modellen, Fortepiani, Clavichorde und weitere kostbare Instrumente aus der Familie der Laute, Violine, Viola da Gamba, Traversflöte, Oboe, Klarinette, Horn, Trompete, Zink, Dulcian, Posaune, sowie spezielle Instrumente des Mittelalters sind im Institut vorhanden. Zudem verfügt die  Hochschulbibliothek über wertvolle Bestände zur Alten Musik. Einschlägige musikwissenschaftliche Fachliteratur, Schriften zur Theorie und Praxis der Aufführung lassen sich ebenso finden wie Notenmaterialien und die zum Quellenstudium unerlässlichen Faksimileausgaben. Ein Mikrofilmarchiv enthält vor allem älteres musiktheoretisches Schrifttum sowie einen Fundus zahlreicher, sehr seltener Instrumental-Lehrwerke.

Institut für Aufführungspraxis

Staatliche Hochschule für Musik
Schultheiß-Koch-Platz 3
78647 Trossingen

Telefon 07425 9491-0