- Di. | 12. 05. 2026
Der frühere Akkordeon-Professor Hugo Noth ist gestorben
Die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen trauert um ihren langjährigen Akkordeon-Professor Hugo Noth. Er starb am 11. Mai im Alter von 83 Jahren. Sein Vermächtnis aber lebt weiter: Der Schweizer Akkordeonist und langjährige Trossinger Professor hat wie kein anderer sein Instrument neu gedacht und gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter für das künstlerische Akkordeonspiel wie es heute gepflegt wird.

1943 in Fribourg geboren, studierte Hugo Noth ab 1964 Akkordeon bei Fritz Dobler in Trossingen, später an der Hochschule bei Helmut Degen und Bernhard Rövenstrunck auch Komposition und Instrumentation. Ab 1972 lehrte er selbst an der Trossinger Hochschule und baute eine Akkordeon-Klasse auf, die er 35 Jahre führte. Ausgedehnte Konzert- und Kurstätigkeit führten ihn zudem durch Europa, die USA, Kanada und Lateinamerika. Hugo Noth hat zahlreiche Werke für Akkordeon selbst komponiert, aber vor allem hat er viele Komponisten angeregt, Solo- und Kammermusikwerke für Akkordeon zu schreiben, hat sie bei der Erarbeitung beraten und mehr als 240 Uraufführungen gespielt. Er wusste genau, dass das vergleichsweise junge Instrument ohne Repertoire nicht konkurrenzfähig ist.
„Hugo Noth hat als einer der ersten das Akkordeon neu gedacht“, betont Prof. Hans Maier, sein Schüler und 2007 Nachfolger in Trossingen. Da das Instrument mit dem Standard-Bass, also den festgelegten Akkorden und dem begrenzten Tonvorrat auf der linken Seite, die Komponisten sehr begrenzte, setzte er auf neu entwickelte Akkordeons mit Melodie-Bass, das auch auf der linken Seite über Einzeltöne verfügte. Der frühere Trossinger Akkordeon-Professor nutzte die Möglichkeiten dieses polyphonen „Blasinstruments“ mit dem Balg als Gestaltungselement und definierte das Repertoire maßgeblich neu im Dialog zwischen Bearbeitungen von alter Musik und neuen Kompositionen. Auch die Instrumental-Methodik stimmte er explizit auf dieses Instrument ab, das sich stark von den anderen Tasten-Instrumenten unterscheidet. Er schuf so in Trossingen ein Konzept mit Modell-Charakter, das in ganz Deutschland zum Tragen kam.
Sein eigenes Kunstverständnis blieb aber nicht bei der Musik stehen. Hans Maier erinnert sich noch genau an die Stunde, als Noth ihm als 15-jährigem die theoretische Beschreibung der Kunst von Wassily Kandinsky, Punkt und Linie zu Fläche, nahgebracht hat: „Hugo Noth dachte übergreifend und schloss Kunst, Literatur oder Architektur mit ein.“ Und so prägte er auch seine Studierenden, öffnete Türen zu anderen Welten, forderte heraus und inspirierte zu mehr. „Er war eine ganz besondere Persönlichkeit für das Instrument und für Trossingen.“ Die Hochschule ist überaus dankbar für sein Wirken, Generationen von Akkordeonisten setzen sein Werk fort.
Foto: Thomas Rothneiger