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Mit minimalem Aufwand maximale Qualität

Die mögliche Qualität der Audio- und Videoaufnahme mit Smartphones und Tablets hat sich in den vergangenen Jahren enorm gesteigert. Heute sind die Möglichkeiten auf professionellem Standard. Schon ohne Vorkenntnisse lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen. Mit zusätzlichem Zubehör oder tiefergehendem Wissen sind nochmals verbesserte Resultate möglich.

Unkomplizierte Aufnahmen mit dem eigenen Mobilgerät eignen sich für viele verschiedene Zwecke:

  • Dokumentation von Unterrichts- oder Auftrittssituationen 
  • Selbstreflexion, Perspektivwechsel, „Objektivierung“
  • Übetagebuch
  • Konzertaufzeichnungen
  • Social Media Content
  • Live-Streaming
  • Klangvergleiche (z. B. zwischen Instrumenten oder Räumen)
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Stative, Halterungen, Stromversorgung

Eine Voraussetzung für gute Aufnahmen ist eine kontrollierte Kameraführung. Meistens ist es sinnvoll, zusätzliches Equipment für ruhige Aufnahmen zu verwenden.

  • Für Tablets sowie für Smartphones gibt es Halterungen, die das Gerät aufnehmen und sicher halten können. Sie lassen sich an unterschiedliche Gerätegrößen anpassen, entweder über einen Federmechanismus oder über verstellbare Schraubsysteme.
verschiedene Möglichkeiten für Halterungen
  • Smartphone-Halterungen mit Kugelgelenk lassen sich auf Stativen (z. B. Mikrofon- oder Lichtstative) oder anderweitigen Halterungen und Klemmen (Superclamps o.ä.) befestigen. 
  • Zu beachten sind dabei die unterschiedlichen Gewindegrößen:
    In der Foto-/Video-Welt sind ¼-Zoll-Gewinde üblich, Mikrofonstative und sonstige Halterungen aus dem Tontechnikbereich weisen normalerweise 3/8-Zoll-Gewinde auf. Per Adapter lassen sich alle Standards untereinander kombinieren.
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Automatik- und manueller Betrieb

Moderne Geräte besitzen immer einen Automatikmodus, bei dem alle relevanten Parameter durch intelligente Algorithmen eingestellt werden. Für viele Zwecke ist das ausreichend und liefert brauchbare Ergebnisse.

Durch die bewusste Kontrolle einzelner Parameter lässt sich das erwartete Resultat gezielter erreichen. Zum Beispiel:

  • Durch manuelle Belichtungssteuerung kann ein spezieller Bereich im Bild betont werden oder Gegenlichtsituationen können entschärft werden.
  • Durch manuellen Fokus können Schärfeebenen in der Raumtiefe gezielt ausgewählt werden.
  • Bei szenischen Aufführungen wird das suchende Pumpen des Autofokus vermieden bei abrupten Lichtwechseln oder falls jemand im Vordergrund durchs Bild geht.
  • Es gibt dezidierte Videoapps wie Blackmagic Camera oder FilmicPro (allerdings kostenpflichtig), die eine manuelle Kontrolle fast aller Parameter erlauben und unbegrenzte gestalterische Möglichkeiten bieten.
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Videoeinstellungen

  • Eine grundlegende Entscheidung ist schon beim Aufbau des Stativs oder der Halterung erforderlich: Quer- oder Hochformat.
  • Für soziale Medien und den Konsum auf Smartphones und Tablets ist das Hochformat Standard. Das klassische Querformat ist für Endprodukte mit Ziel der Bildschirmwiedergabe empfehlenswert.
  • Das Videoformat bestimmt die Qualität (Auflösung) und Dateigröße des aufgenommenen Materials. Je höher die Auflösung desto höher sind Qualität und Speicherbedarf.
  • Übliche Videoauflösungen sind FullHD (1920*1080 Pixel) oder 4K (3840*2160).
  • Auch bei einem angestrebten kleinen Endformat bringt die Aufnahme und Weiterverarbeitung in einem höherwertigen Format Qualitätsvorteile. Das Rendering in das Zielformat erfolgt dann als letzter Schritt in der Bearbwitungskette.
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Raum

„Der Raum ist das Kleid der Musik“ – diese altbekannte Tonmeisterweisheit trifft auch hier zu.

  • Volumen, Beschaffenheit und Geometrie der Oberflächen bestimmen den Klang eines Raumes. Schallharte Flächen wie Beton und Glas reflektieren den Schall, unregelmäßige Oberflächenstrukturen streuen ihn, weiche Materialien absorbieren ihn. Zusätzlich besteht dabei eine Abhängigkeit von der Schallfrequenz: Um tiefe Töne zu reflektieren und zu absorbieren wird mehr Masse benötigt als für höhere Töne. Parallele Wände können Flatterechos und störende stehende Wellen erzeugen, unregelmäßige Strukturen sind günstiger.

Je nach Ziel und Zweck unserer Aufnahme gibt es unterschiedliche Anforderungen an die akustischen Eigenschaften des Raumes:

  • Für Sprachaufnahmen sollte der Raum eher absorbierend und trocken klingen und nicht sehr groß sein.
  • Für Darbietungen akustischer Musik empfiehlt sich ein größerer und nicht zu trockener Raum. Die akustische „Lebendigkeit“ durch Raumreflexionen begünstigt das gegenseitige Hören und Reagieren.
  • Der Klang vieler Instrumente profitiert von einem lebendigen Raum, weil die produzierten Frequenzen in unterschiedliche Richtungen abgestrahlt werden. Durch die Raumreflexionen werden diese am Platz des Hörers (bzw. des Aufnahmegeräts) wieder gesammelt und zu einem kompletten Gesamtklang integriert.

Für das Bild sind ruhige Hintergründe vorteilhaft, gerne in einiger Entfernung, sodass sich die Szene davon abheben kann. Es empfiehlt sich, den Hintergrund von überflüssigen Gegenständen (Instrumentenkoffer, Stühle, Notenständer, Kabel, Wasserflaschen …) freizuräumen.

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Bildgestaltung

  • Gegenlichtsituationen sollten vermieden werden.
  • Abhilfe schaffen Abdeckung der Gegenlichtquelle oder die Aufhellung des Vordergrunds.

Grundprinzipien der Bildgestaltung: Symmetrie, goldener Schnitt.

  • Luft lassen in Aktions-(i.d.R. Spiel-)Richtung, wenig Luft hinter dem Rücken.
  • Keine Luft unter den Füßen, wenig über dem Kopf – die Augen sind wichtiger als die Füße.
  • Gewichtung: Wichtigere Bildelemente liegen näher in Richtung Mitte als weniger wichtige.
Links: Gegenlichtsituation, der Vordergrund „säuft ab“ - Rechts: Gegenlicht entschärft durch zusätzliches Licht im Vordergrund
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Weißabgleich

  • Im Gegensatz zum menschlichen Auge passt sich die Kamera nicht an wechselnde Farbtemperaturen des Umgebungslichts an. Ein unnatürlicher Farbstich im Videobild kann die Folge sein.
  • Kunstlicht hat eine niedrigere Farbtemperatur (ca. 3200K) als natürliches Licht von Sonne oder bedecktem Himmel (5000 – 7000K). 
  • Es empfiehlt sich, die jeweiligen Presets an der Kamera zu wählen, die Farbtemperatur für die Situation zu messen oder einen automatischen Weißabgleich (AWB) zu verwenden.
Links: Farbtemperatur niedrig, Bild wirkt zu warm/gelb - Mitte: Farbtemperatur hoch, Bild wirkt zu kalt/blau - Rechts: Farbtemperatur richtig – Farben wirken natürlich
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Tiefenschärfe

Die Ausdehnung des scharfen Bereichs in einer Kameraeinstellung kann man beeinflussen:

  • Kleine Blendenöffnung (große Blendenzahl), großer Abstand zum Motiv und große Brennweite vergrößern den Schärfebereich.
  • Große Blendenöffnung (kleine Blendenzahl), kleiner Abstand zum Motiv und kleine Brennweite verkleinern ihn.

    Das lässt sich gestalterisch nutzen, um entweder ein Motiv freizustellen oder einen großen, einheitlichen Bereich zu schaffen.

Links, Mitte: Geringe Tiefenschärfe – das Motiv wird freigestellt, d.h. es hebt sich deutlich vom Vorder- bzw. Hintergrund ab -- Rechts: Große Tiefenschärfe – ein großer Bereich liegt in der Schärfe und die Objekte darin gleichermaßen betont
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Shutter

  • Der Shutter regelt die Belichtungszeit des jeweiligen Videoframes.
  • Der Shutter sollte maximal halb so lang eingestellt sein wie die Framerate (aufgenommene Bilder pro Sekunde).
  • Damit lassen sich unterschiedliche Wirkungen in Bezug auf schnelle Bewegungen im Bild erzielen.
  • Kurze Einstellungen frieren das Motiv ein, längere Einstellungen verwischen eher und erzeugen flüssigere Bewegungen.
Links: Kurze Shuttereinstellung, Bewegung scharf bis stockend - Rechts: Längere Shuttereinstellung, Bewegung flüssig bis verwischt
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Zoom gg. Abstand

  • Die Kombination aus Abstand zum Motiv und Zoomeinstellung an der Optik hat unterschiedliche Wirkung, obwohl der sichtbare Bereich scheinbar derselbe ist.
  • Es ändert sich das Verhältnis von Vorder- zu Hintergrund und damit die Bildwirkung.
Links: Großer Abstand, Aufnahme mit Teleeinstellung - Rechts: Kleiner Abstand, Aufnahme mit Weitwinkeleinstellung
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Tonqualität

Die Tonqualität vieler Mobilgeräte ist durch die Verwendung guter Mikrofone und immer ausgefeilterer Algorithmen zur Klangverbesserung auf einem hohen Niveau. Doch die eingebauten Mikrofone sind in der Regel für eine gute Übertragung von Sprache konzipiert. Es kommen Werkzeuge zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit zum Einsatz, die bei der Aufnahme von Musik nicht gut funktionieren oder sogar hinderlich sein können. 

  • Die Funktion Auto-Gain (oder auch: AGC, Auto-Level o.ä.) sollte ausgeschaltet werden. Andernfalls regelt das Gerät laute Passagen herunter und hebt leise an, sodass die Dynamik der musikalischen Darbietung nicht angemessen dargestellt wird. Für Reportagezwecke kann die Funktion hilfreich sein.

 

Erweitertes Audiosetup mit Tablet, externem Interface und zusätzlichen Mikrofonen

Der Einsatz von zusätzlicher Tontechnik wie ein Aufsteckmikrofon oder ein externes Audiointerface mit Mikrofonen können Vorteile bringen:

  • Es ist der Betrieb ohne die Sprachoptimierung möglich, sodass ein realistischerer Klang der Instrumente abgebildet werden kann.
  • Es besteht die Möglichkeit, externe Kondensatormikrofone einzusetzen, mit deren Hilfe die Klangqualität nochmals gesteigert werden kann.
  • Kleinere Interfaces werden meist über die USB-Verbindung betrieben und benötigen keine eigene Stromversorgung.
  • Die Position der Mikrofone fällt nicht mit der Position der Kamera zusammen und kann unabhängig davon platziert werden. Bspw. kann damit ein Konzertflügel optimal von vorne mikrofoniert werden, während die Kamera das Gesicht oder die Hände des Pianisten ins Bild nimmt.
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Aussteuerung

  • Die manuelle Aussteuerung („Gain“) passt das Eingangssignal an den Dynamikumfang des 
    Aufnahmegeräts an.
  • Eine Aussteuerung auf max. -12 dB an den lautesten Stellen ist erstrebenswert. 
    Nach Möglichkeit sollte das vor der eigentlichen Aufnahme ausprobiert werden. 
    Die Aussteuerungsanzeige mit entsprechenden Skalen oder Hilfslinien ist dabei hilfreich.
Aussteuerungsanzeige eines Audiorecorders
  • Ist der Pegel zu niedrig, wird zu viel Grundrauschen des Systems („Rauschteppich“)
    mitaufgenommen – ist der Pegel zu hoch, erfolgt eine Übersteuerung („Clipping“), die eine irreparable
    Verzerrung des Signals zur Folge haben kann.
Links: Aussteuerung zu niedrig, Rauschen wird verstärkt - Rechts: Aussteuerung zu hoch, Übersteuerung/Verzerrung erfolgt
  • Die automatische Aussteuerung (Auto-Gain, Auto-Level o.ä.) ist bei künstlerischen Darbietungen nicht sinnvoll, da die natürliche Dynamik der Darbietung nicht wiedergegeben wird. Bei reiner Sprachdokumentation kann sie ggfs. verwendet werden. 
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Mikrofonaufnahmetechnik

  • Die optimale Position der Mikrofone orientiert sich an der Spielrichtung: In der Richtung, in der üblicherweise das Publikum sitzt, befindet sich auch ein guter Ort für das Mikrofonsystem.
  • Der Abstand sollte so gewählt werden, dass eine gute Balance zwischen Direktschall und reflektiertem Schall aus dem Raum entsteht. Eine Probeaufnahme mit anschließendem Abhören ist eine sinnvolle Vorgehensweise.
  • Intensitätsunterschiede bei größeren Besetzungen können durch die Anordnung der Musiker ausgeglichen werden.
  • Ein Ausgleich ist auch durch die Positionierung der Mikrofone möglich, indem der Abstand vom Mikrofon zum schwächeren Instrument verkürzt wird (jew. links: Draufsicht, rechts: Auswirkung auf das Klangbild - schematieche Darstellung: Figur größer = Schallquelle lauter):
Links: Gleicher Abstand, schwächeres Instrument wirkt schwächer - Rechts: Abstand angepasst, schwächeres Instrument wird ausgeglichener
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Aufnahmewinkel

  • Der Aufnahmewinkel eines Stereosystems sollte an das Ensemble angepasst sein. Darunter versteht man den Winkel vom System aus, bei dem Schallquellen auf den Grenzen des Aufnahmewinkels auch ganz außen in der Wiedergabeebene abgebildet werden.
  • Der Abstand der beiden Mikrofone eines Stereosystems sowie deren Winkel zueinander bestimmen den Aufnahmewinkel.
  • Größerer Abstand und/oder größerer Winkel verkleinern den Aufnahmewinkel, ein kleinerer Abstand und/oder kleinerer Winkel vergößern ihn.
  • Der intuitive Zusammenhang funktioniert: Zieht man die Mikrofone auseinander (oder vergrößert den Winkel dazwischen), scheinen auch die Schallquellen auseinandergezogen zu werden.
Links: Aufnahmewinkel an das Ensemble angepasst - Mitte: Aufnahmewinkel zu groß - Rechts: Aufnahmewinkel zu klein

 

Typische Aufnahmewinkel in der Praxis (für Mikrofone mit Nierencharakteristik):

Mikrofonabstand 25 cm, Winkel zw. d. Mikrofonen 90° ==> Aufnahmewinkel 90°

Mikrofonabstand 17 cm, Winkel zw. d. Mikrofonen 110° ==> Aufnahmewinkel 96° (sog. ORTF-System)

Mikrofonabstand 72 cm, Winkel zw. d. Mikrofonen 0° ==> Aufnahmewinkel 90°

Mikrofonabstand 51 cm, Winkel zw. d. Mikrofonen 0° ==> Aufnahmewinkel 180°

Mikrofonabstand 0 cm, Winkel zw. d. Mikrofonen 110° ==> Aufnahmewinkel 170°

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Export

  • Ein großer Vorteil der Audio-/Videoaufnahme im Tablet/Smartphone besteht darin, dass sofort eine Datei entsteht, in der Audio und Video synchron verbunden sind. Es ist keine aufwändige Nachbearbeitung notwendig, um ein fertiges Medienprodukt zu erhalten und weiterverwenden/weitergeben zu können.
  • Im Dateibrowser kann eine rudimentäre Konfektionierung vorgenommen werden (z. B. Anfang und Ende kürzen).
  • Für eine ausgefeiltere Bearbeitung kann das aufgenommene Rohmaterial mit anderen Apps für Video-/Audiobearbeitung optimiert werden.
  • Manche Geräte bieten den Anschluss von USB-Speichersticks oder Festplatten an – auf kompatible Formatierung achten (z. B. FAT32).
  • Eine elegante Möglichkeit an der HfM Trossingen ist die Weitergabe per Owncloud - https://cloud.mh-trossingen.de. Damit können bis zu 5 GB an Daten sicher und datenschutzkonform auf dem hochschuleigenen Server abgelegt und per Downloadlink zugänglich gemacht werden.

Grobe Anhaltspunkte für den Speicherbedarf pro Minute: 

  • nur Audio stereo WAV (PCM unkomprimiert):   ca. 10 MB 
  • nur Audio MP3 128 kbit/s:   ca. 1 MB
  • Video FullHD (1920x1080) 25 fps:   ca. 60 MB
  • Video 4k (3840x2160) 25 fps:   ca. 170 MB
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Links

Eine Auswahl hilfreicher Links zum Thema Video und Audio:

Visualisierung des Aufnahmewinkels: https://sengpielaudio.com/Visualization-EBS.htm